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BL-Schiri Florian Exner referiert!-05, Bundesliga-Schiedsrichter Florian Exner war zu Gast in Dreierwalde.

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BL-Schiri Florian Exner referiert!-05, Bundesliga-Schiedsrichter Florian Exner war zu Gast in Dreierwalde.
Ob es sich um einen umstrittenen Elfmeter, eine Rote Karte oder ein annulliertes Tor handelt: Für Schiedsrichter gibt es auf dem Spielfeld zahlreiche knifflige Situationen. Es ist vor allem wichtig, ruhig zu bleiben und die richtige Wahl zu treffen. Florian Exner aus Münster ist in dieser Saison Schiedsrichter in der Bundesliga. Der 34-Jährige war am Montagabend in der Gaststätte Sasse in Dreierwalde, um einen Einblick in seine Arbeit zu bieten.
Imke Holtmeyer, die stellvertretende Vorsitzende des Fußballkreises Tecklenburg, stellte gleich zu Beginn klar: „Ich bin gespannt auf deine Berichte.“ Sie sprach einleitende Worte zusammen mit ihren Kollegen aus dem Kreisvorstand. Außerdem präsentierte Mario Principato (Schiedsrichter Eintracht Mettingen) das Spendenprojekt der Krebsberatungsstelle Osnabrück und ließ eine Spendenbox herumgehen. Insgesamt war die Veranstaltung gut besucht.
Florian Exner, der als Schiedsrichter tätig ist, begrüßte die Teilnehmer und teilte Einblicke in seine Arbeit mit. Er wuchs im Kreis Warendorf auf und spielte selbst für Blau-Weiß Beelen. Er fing 2008 an, Fußballspiele zu pfeifen. 2014 erfolgte der Aufstieg in die Regionalliga, 2019 in die Dritte Liga und 2022 in die 2. Bundesliga.
Da Marco Fritz im Sommer 2024 in den Ruhestand ging, ergab sich für Exner die Möglichkeit, in die Bundesliga aufzusteigen. Heute hat der Spieler aus Münster, nach einem erfolgreichen Probespiel zwischen dem FC Augsburg und der TSG 1899 Hoffenheim, den Aufstieg in die Bundesliga geschafft.
Der Jurist aus Münster hat schon neun Bundesligaspiele gepfiffen. Exner demonstrierte anhand von elf Videos, was in kritischen Situationen entscheidend ist. Zum Beispiel errang er einen Rekord: Er zeigte nach 33 Sekunden der Spielerin Kimberly Ezekwem (21) vom SC Freiburg II eine Rote Karte. Dieser zupfte am Trikot von Tim Danhof (Erzgebirge Aue). Dies stellte die schnellste Rote Karte dar, die es bislang im deutschen Profi-Fußball gab. Exner hielt sich dabei an seine Linie. „Früher hatte der Fußballkreis Münster für mich als Schiedsrichter den Ruf eines Wohlfühlkreises, in dem vor einer Gelben Karte erst noch viel geredet wird. „Das habe ich mir abgewöhnt“, sagt der Schiedsrichter der Bundesliga. Daher sind in den ersten Minuten auch Platzverweise erforderlich.
Zudem präsentierte der Münsteraner einen Videoausschnitt, der die Kommunikation während des Spiels veranschaulicht. Es musste in Sekundenschnelle entschieden werden. Die Assistenten äußerten ihre Meinung im Handumdrehen. Ein wesentlicher Faktor bei einem Platzverweis ist die Position des Spielers, sprich der Abstand zum Tor. Des Weiteren behandelt Exner das Trefferbild – konkret, an welcher Stelle der Gegenspieler getroffen wurde.
Es gehe, neben zum Teil mutigen Entscheidungen, aber auch um ein wenig Fingerspitzengefühl. Der Schiedsrichter wies hier auf eine Rudelbildung zwischen dem VfL Osnabrück und dem Hamburger SV in der 2. Bundesliga hin. Trotz des Fehlens von Tätlichkeiten oder ähnlichen rotwürdigen Vergehen entschied sich Exner aufgrund der Aufregung, zwei Gelbe Karten zu vergeben – eine für einen Spieler jeder Mannschaft. Die Problematik: Eine Vielzahl der Fußballer des VfL war bereits gelbvorbelastet. Und ihm war es zu viel, einen Platzverweis für eine Rangelei in einer Rudelbildung auszusprechen. „Wir wollten also herausfinden, wer eine Gelbe Karte erhalten kann, ohne vom Platz gestellt zu werden.“ Exner sprach mit seinen Kollegen, um eine gerechte Lösung zu finden – und es gelang.
Der Münsteraner betrachtet die neuen Entwicklungen der letzten Jahre in der Fußball-Bundesliga eher positiv. „Der Videobeweis hat den Stress für uns Schiedsrichter reduziert.“ Oft werde auf dem Feld der folgende Satz von Spielern in seine Richtung gerufen: „Guck es dir doch nochmal an.“ Er sieht dies jedoch entspannt, da er dem Videoassistenten vertraut. Er ist nicht ganz überzeugt von der Neuerung mit der Schiedsrichter-Ansage, aber die Testphase sollte abgewartet werden.
Des Weiteren handelt es sich für Exner auch um eine angemessene Bewertung. Davon ist abhängig, in welcher Liga ein Schiedsrichter pfeifen darf. „Manchmal ist der Weg zum Monitor schwierig“, gesteht er ein. Denn bei einer falschen Entscheidung werden ihm Punkte im Bewertungsbogen abgezogen. Ein Abstieg in die 2. Bundesliga wäre im schlimmsten Fall die Folge. Ob durch das Eingreifen des Video-Referees eine Korrektur der Fehlentscheidung auf dem Spielfeld erfolgt ist, hat für die Bewertung der Leistung des Schiedsrichters ebenfalls keinen Einfluss. Die erste Entscheidung auf dem Platz wird vom Spielbeobachter bewertet. Beim Gang zum Monitor hat ein Schiedsrichter also bereits eine Ahnung, eigene Bewertungspunkte zu verlieren.
Auch einige angehende Schiedsrichter waren unter den Gästen in Dreierwalde. Florian Exner gab diesen zum Abschluss noch die eindringliche Empfehlung, fortzufahren: „Schiedsrichter zu sein, bietet gute Chancen zur Stärkung der eigenen Persönlichkeit. „Es kann in vielen Lebensbereichen helfen“, beendet er seinen Vortrag passend.